The Dixaners

- Die Geschichte der Oberpleiser Beatband -

Die Dixaners vor dem Kino Bellinghausen

Kaum nachvollziehbar ist für jemanden der späteren Generation, welche Begeisterung und musikalische Aktivität die von England Mitte der sechziger Jahre ausgehende „Beatwelle“ bei der Jugend auslöste:

Plötzlich gab es Beatbands wie Sand am Meer; in Garagen wurde mehrmals in der Woche stundenlang geübt, und an den Wochenenden strömten die Jugendlichen zu den Beatbällen, bei denen die Amateurmusiker sich erfolgreich mühten, die Tageshits ihrer Vorbilder nachzuspielen.

Typisch dafür ist die Geschichte der „Dixaners“ aus Oberpleis:

Die Urbesetzung: Peter Schneider, Edgar Zens, Werner Dohle

Die Urbesetzung, schon ganz schön cool:    Peter Schneider, Edgar Zens, Werner Dohle

Der erste Jugendball („Tanztee“) mit ihnen, von der kath. Jugendgruppe unter Fritz - Karl Birkhäuser am 14. 2. 1965 im Pfarrsaal (jetzt „Propst – Gerhard – Saal“) neben der Kirche ausgerichtet, war gleich ein durchschlagender Erfolg.

Fritz Karl Birkhäuser und Kaplan Kronen

Fritz - Karl Birkhäuser und Kaplan Karlheinz Kronen

Kaplan Kronen und Pfarrer Wichert

Selbst Pastor Wichert ließ sich beim ersten Beatball sehen, um mit seinem Kaplan eine Flasche Wein zu trinken und eine Zigarre zu rauchen. Die Toleranz der Geistlichkeit der neuen lautstarken Musikrichtung gegenüber war groß. “Ihr macht doch sonst auch andere Musik?!” fragte er das Trio und war getröstet, als man die Frage bejate.

Der besagte Erfolg der ersten Veranstaltung war nur mit der allgemeinen Beatbegeisterung der “Jugend vom Lande” zu erklären, denn der Urbesetzung der DIXANERS als Trio fehlte es an jeglichem beatbandgerechten Equipment:    E-Gitarre, Schlagzeug, Mikrofonen, Verstärkeranlage, Orgel... Die Not aber machte erfinderisch: Peter Schneider hatte seine Wandergitarre mittels eines Kopfhörers aus seinem Kosmos-Radiobastelkasten als Tonabnehmer elektrifiziert, der mit zwei Bananensteckern an ein altes Radio angeschlossen war. Edgar Zens hämmerte sich auf dem verstimmten, unverstärkten alten Saalklavier, bei dem einige Tastenbeläge fehlten, buchstäblich die Finger wund, Werner Dohle spielte, über ein an sein neues Grundig – Tonbandgerät TK 46 angeschlossenes Mikrophon singend, auf seinem Schlagzeug, bestehend aus Blecheimern, einer dem Orff-Instrumentarium entliehenen Handtrommel und einer leeren Tonne des Waschmittels DIXAN, die der Band den Namen gab.

Das Trio am 14.2.1965

Dann wurde aus dem Trio ein Quartett. Mit Heinz Vogt gewann die Gruppe einen Sänger, der auch schon mal Gitarrensaiten zupfte.

Dixaners als Quartett

Beim dritten Ball („Tanz in den Mai“) am 2. 5. 1965 waren die Möglichkeiten, die Lautstärke von Gesang und Gitarrenklängen zu erhöhen, durch den erfolgreichen Aufruf “Aktion altes Radio” im Pfarrblatt deutlich gestiegen. Die geschenkten alten Empfänger wurden nun einfach zu Verstärkern umfunktioniert. Drummer Werner Dohle durfte sich über ein neues, richtiges Schlagzeug freuen:

The Dixaners beim Maiball 1965

Im Sommer ‘65 schloss sich Manfred Bosse, in der Schule Banknachbar von Heinz Vogt, der Gruppe als Rhythmus- und Sologitarrist an. Sein Instrument, das er mit manchen Finessen zur E-Gitarre umgerüstet hatte, an dessen Perfektionierung er laufend arbeitete und welches er daher auch später noch lange behielt, war dann auch die einzig ernstzunehmende „selbstgebastelte Alternative“ zum käuflichen Equipment. Dieses hatte sich nicht nur um zwei E-Gitarren, sondern um den ersten “richtigen” Verstärker (Marke: Hohner Orgaphon 18 MH, Leistung: 18 Watt!) vergrößert:

The Dixaners zu Fünft mit erstem Verstärker

 Beim 8. Jugendball im Pfarrsaal Oberpleis am 30. 1. 1966 – es sollte auch der letzte dort stattfindende sein – ließen sich die DIXANERS zu ersten Mal mit der vier Tage zuvor neu angeschafften elektrischen Orgel hören. Jetzt stimmte der Sound endlich einigermaßen!

Die Dixaners beim letzten Beatball im Pfarrsaal

Die Veranstaltung war so gut besucht wie nie, und das Publikum ging wieder richtig mit:

Dann aber...

.... gab es urplötzlich richtigen Ärger: Pfarrgeistlichkeit und Kolpingsfamilie stellten sich mit ungerechtfertigten moralischen Argumenten gegen eine Fortführung der Jugendbälle im Pfarrsaal: Jugendliche würden hier zum Tanzen verführt. Den DIXANERS nahm man daneben übel, dass sie an Wochenenden auch in der Tanzbierbar Pleiserhohn auftraten.. Die Querelen nahmen kein Ende, und so verabschiedete sich schließlich die gesamte Jugendgruppe – der innere Fankreis der Band – von der Pfarre. Sie gab sich den Namen „Club Hupp 17“ und tagte fortan in der „Dorfschänke“ (Gaststätte Ringeisen) im Unterdorf.

Plakat

.Weitere Jugendbälle der DIXANERS und befreundeter Bands („The Yards“ – später „High Societies“ und “Mindblowers”, „The Rockers“, „The Earls“) wurden im Saal Bellinghausen abgehalten (30. 5., 26. 6., 24. 7., 26. 12. 1966; 9. 4. 1967) und waren regelmäßig ausverkauft.

Plakat
Plakat

Die Lokalpresse berichtete ausführlich über die Veranstaltung am 24.7.1966 und beleuchtete dabei die aktuelle Oberpleiser Beatszene.

Am 13.2.1966 und 29.1.1967 besuchten die DIXANERS mit der gesamten Jugendgruppe ihren früheren Kaplan Karlheinz Kronen in Horrem, der sie eingeladen hatte, um beim Beatball seiner Pfarrjugend zu spielen. Hier kamen sie besonders gut an.

Dixaners in Horrem 1966

Beatball in Horrem

Werner Dohle am Schlagzeug in Horrem 1966
Die Dixaners kostümiert in Horrem 1967

Es lag wohl am Fehlen der einheimischen Fans und an der Auswahl nicht so populärer Stücke (wer kannte wohl “Bald Headed Woman” von den Kinks?), dass die Teilnahme am Beatfestival in Brühl am 5. 3. 66 zu keiner guten Plazierung führte. Dies minderte das Selbstwertgefühl der Gruppe nicht; bei anderen auswärtigen Auftritten hatte sie gewöhnlich beachtlichen Erfolg: Quirrenbach (Jugendball des Männerchors am 3.7.1966), Siegburg (Kommers des Jungengymnasiums am 17.12.1966 und 11.3.1967), Niederpleis (Schützenhaus, 27.3.1967), Oberkassel (28.1. und 15.4.1967) und Hoffnungsthal (24.10.1965 und 29.4.1967).

Dixaners beim Beatball in Quirrenbach 1966
Publikum beim Beatball in Quirrenbach 1966

Beatball für die Jugend beim Stiftungsfest des MGV Quirrenbach am 3. 7. 66

Im Sommer 1967 war dann auf einmal „die Luft raus“. Die Probenarbeit kam einfach nicht mehr in Gang. In der Tanzbierbar Pleiserhohn, an dem Ort, wo sie an vielen Wochenenden aufgetreten waren – bei einer Bandgage von ca. 180 DM, dabei waren die Schnittchenplatten des „Hauses Schonauer“ und Germania - Pils in Unmengen gratis -, gaben die DIXANERS am Sonntag, dem 11.6.1967 noch einmal eine Einlage. Zum allerletzten Mal als Beatband spielten sie mit Otto Beatus von der Siegburger Schulband des Jungengymnasiums „The Lightnings“ am Saxophon, um dem Wirt Otto Schonauer – und seinem „Bändeapparat“, wie er sein Tanzbierbarbandmanagement  nannte – aus der Verlegenheit zu helfen, dort am Wochende 26. / 27.8.1967.

Dixaners im Frühjahr 1967

Die DIXANERS blieben Oberpleis – oder besser Plees – aber trotz der Bandauflösung musikalisch erhalten: Als „Dorfspatzen“ persiflierten sie seit Karneval 1969 über 25 Jahre lang das Ortsleben und landeten mit der Lokalhymne „Pleese Wind“ einen Hit - doch das ist eine andere Geschichte...

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